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MITTEN IN POING... die Kolumne von Raffael Scherer

Warum ich mit roter Wange Geisterbahn fahre?

Endlich ist es soweit, ich hab die Tage schon gezählt, das Poinger Volksfest ist wieder da! Schnell die Lederhosen abgestaubt und los geht’s. Also fast. Meine Freundin verbringt nämlich gerne mehrere Stunden damit, das ideale Dirndl herauszusuchen. Am Ende wird es zwar eh meistens das Grüne, welches sie zuerst in der Hand hatte, aber gut. Kommt man halt ein wenig später an, wenn die letzten Bierbänke schon besetzt sind.

Nachdem die erste Maß gezwungenermaßen im Stehen genossen wurde, beschließen wir uns weiter umzusehen. Schießbude, Karussell, Süßigkeiten, Autoscooter... Wow, dieses Jahr gibt es sogar eine Geisterbahn! Also schnell zwei Karten gekauft und los geht’s! Moment. Wo ist meine Freundin? Ach, da vor mir steht ja das grüne Dirndl. Und steigt ohne mich ein – nicht sehr freundlich –, also schnell hinterher und zugestiegen.

Die Bügel fahren nach unten, ich lege meinen Arm um meine Freundin und ich will ihr einen Kuss geben. Ein unbekanntes Gesicht blickt mich erschrocken an und schreit laut auf. Genauso böse blickt mich meine Freundin, neben dem Wagon stehend, an. Was fällt mir denn ein, dass ich nicht mal zwei grüne Dirndl auseinander halten kann?! Warum ich mit roter Wange Geisterbahn fahre?

Warum ich dem Poinger Weiher einen Bademeister wünsche?

Wie kürzlich bekannt gegeben wurde, soll das Floß auf unserem Badeweiher entfernt werden, da kein Personal zur Überwachung eingeplant ist. Ich war schockiert! Wenn ich mich einmal im Jahr traue, den Weiher tiefer als über die Zehenspitzen hinaus zu betreten, dann nur, um ganz schnell zum Floß zu schwimmen, schnell hochzuklettern, sich vom Kälteschock zu erholen und dann wieder so schnell wie möglich zurückzuschwimmen. Kommt man danach krebsrot aus dem Wasser und bibbert erst einmal eine halbe Stunde, versteht man wieder, warum der größte Teil der „Badegäste“ die meiste Zeit nur draußen auf dem Handtuch in der Sonne brutzelt.

Wenn es kein Floß mehr gibt, werden die wenigen Schwimmer völlig ohne Schutz vor dem nahenden Kältetod auf den Weiher losgelassen. Sie paddeln zitternd und orientierungslos hin und her und wissen nicht, ob sie schon genug geschwommen sind. Also bitte: Besorgt einen Bademeister! Von mir aus auch eine ganze Wasserwacht, am besten mit Booten, Sanitätern, Krankenwagen, Sauerstoffzelt und einem Hubschrauberlandeplatz rund um die Uhr! Aber nehmt uns das Floß nicht weg! Ich möchte auch in Zukunft noch gefahrlos schwimmen können.

Warum ich über die steigenden Mietpreise lache?

Die Kolumne im Mai

Miet- und Grundstückspreise gehen in Poing ja in letzter Zeit durch die Decke. Da kann es passieren, dass sich der eine oder andere über seine zukünftige Wohnsituation Gedanken macht. Aber ich kann euch beruhigen: Das ist gar nicht nötig! Sollten Sie eine neue Bleibe suchen, kaufen Sie sich einfach eine Campingausrüstung und der Rest kommt ganz von alleine!

Beispielsweise am Containerstandplatz am Poinger Bahnhof reicht es einfach, das Zelt
aufzuschlagen und es wird euch an nichts mangeln! Sofas, Tische, Kühlschränke, ja sogar ganze
Einbauküchen werden dort regelmäßig abgestellt. Einmal drübergewischt und zurechtgerückt, fertig
ist die komplette Inneneinrichtung. Genießen Sie die freie Natur bequem von der Couch aus, mit
der perfekten Anbindung zum öffentlichen Nahverkehr! Und das alles auch noch umsonst! Besser
geht’s doch nicht!

Ein Bett im Kornfeld war gestern – ein Bett am Bahnhof ist jetzt der neueste Schrei! Und wenn der Bauhof mal wieder kommt und Ihnen Ihr Sofa klaut, keine Sorge. Ein paar Tage später kommt ganz bestimmt ein Neues.

Raffael Scherer

Warum ich nie wieder April-Scherze mache?

Die Kolumne im April
 
Am ersten April ist bekanntlich der große Streichetag. Jedoch führt das Wissen dazu, dass jeder
nach einer Aussage hinterfragt, ob das Ganze nicht ein Scherz sei. Möchte man also einen
funktionierenden Streich spielen, auf den der andere tatsächlich hereinfällt, muss man also etwas
erzählen, was der andere so ernst nimmt, dass er nicht denkt, dass es ein Streich sein könnte.

Daher probiere ich es dieses mal richtig derb: Ich sitze also mit meiner Freundin am Badeweiher auf
dem Bankerl - vorsichtshalber Jacke, Handschuhe und Regenschirm dabei, um gegen das
Aprilwetter gewappnet zu sein - und kann es kaum erwarten, meinen Aprilscherz zu spielen.

Ich nehme sie bei der Hand, lächle und frage „Willst du mich heiraten?“ Sie springt freudestrahlend auf,
tanzt um die Bank herum und umarmt mich. „ Ja, ja ich will!“. „April April!“ grinse ich zurück. Ihre
Mundwinkel wandern nach unten. Ich kassiere eine Watschen, höre noch ein „Depp!“, bevor ich
alleine am Badeweiher zurückgelassen werde. Da werden in den kommenden Tagen einige Blumen
und Entschuldigungen nötig sein, bis sie wieder mit mir spricht.

Warum ich nie wieder April-Scherze mache?

Raffael Scherer

Warum ich meine Mutter am Valentinstag beschenke?

Die Kolumne im Februar

Der Valentinstag ist einer der Tage, an dem ich alle Singles beneide. Denn genau wie zur Weihnachtszeit ist es ein Drahtseilakt, wie ernst man das „Wir schenken uns nichts!“ nimmt. Vorletztes Jahr kaufte ich trotzdem etwas. Daraufhin hieß es, das sei unfair, weil es ja anders ausgemacht war.

Das Jahr darauf schenkte ich nichts, aber meine Freundin hatte „nur eine Kleinigkeit“ für mich parat. Schon hieß es, sie sei mir nicht wichtig, weil ich ja nichts für sie hatte. Darum versuche ich es dieses Jahr ganz anders: Ich kaufe einfach in der früh bei Rewe Pralinen in Herzform, nur für den Fall, dass sie etwas dabei hat. Am besagten Abend stelle ich fest: Sie hat nichts. Ohne schlechtes Gewissen bleiben die Pralinen also im Schrank und wir schauen einen Film auf der Couch. „Ich hol noch schnell eine Flasche Wein“, sagt meine Freundin und geht zum Schrank. „Für wen sind denn diese Pralinen?“, fragt sie mich vorwurfsvoll.

„Hast du eine Affäre?“ Ich hasse Valentinstag! „Nein...“ stottere ich. „Die ...sind... für meine
Mutter.“ Warum ich meine Mutter am Valentinstag beschenke?

Raffael Scherer

Warum ich in Zukunft immer 50 Cent in der Tasche habe?

Die Kolumne im März

Kartenzahlungen werden ja immer beliebter, sodass man auch in Situationen, in welchen man kein Bargeld hat, ohne Probleme in den meisten Läden bezahlen kann. Sogar im Edeka im City Center konnte ich meinen Eistee ohne Probleme mit Karte erwerben.

Nachdem ich die Flasche geleert habe, bemerke ich, dass es Zeit wäre, eine Toilette aufzusuchen. „Kein Problem, das City Center hat ja eine“ denke ich mir. Zu meiner Verwunderung versperrt neuerdings ein Münzautomat die Tür. „Bitte 50 Cent einwerfen“ heißt es darauf. Mein Geldbeutel ist leer, im Gegensatz zu meiner Blase. Leute, die vorbeikommen, anzubetteln oder zur Bank zu rennen, um 50 Cent abzuheben, das könnte auch schwer werden.

Die Zähne zusammenbeißend hüpfe ich panisch vor der verschlossenen Tür hin und her. Da öffnet sich die Tür und mein Vorgänger hält mir Gottseidank freundlicherweise die Tür auf. Warum ich in Zukunft immer 50 Cent in der Tasche habe?

Raffael Scherer