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MITTEN IN POING... die Kolumne von Raffael Scherer

Warum ich nie wieder April-Scherze mache?

Die Kolumne im April
 
Am ersten April ist bekanntlich der große Streichetag. Jedoch führt das Wissen dazu, dass jeder
nach einer Aussage hinterfragt, ob das Ganze nicht ein Scherz sei. Möchte man also einen
funktionierenden Streich spielen, auf den der andere tatsächlich hereinfällt, muss man also etwas
erzählen, was der andere so ernst nimmt, dass er nicht denkt, dass es ein Streich sein könnte.

Daher probiere ich es dieses mal richtig derb: Ich sitze also mit meiner Freundin am Badeweiher auf
dem Bankerl - vorsichtshalber Jacke, Handschuhe und Regenschirm dabei, um gegen das
Aprilwetter gewappnet zu sein - und kann es kaum erwarten, meinen Aprilscherz zu spielen.

Ich nehme sie bei der Hand, lächle und frage „Willst du mich heiraten?“ Sie springt freudestrahlend auf,
tanzt um die Bank herum und umarmt mich. „ Ja, ja ich will!“. „April April!“ grinse ich zurück. Ihre
Mundwinkel wandern nach unten. Ich kassiere eine Watschen, höre noch ein „Depp!“, bevor ich
alleine am Badeweiher zurückgelassen werde. Da werden in den kommenden Tagen einige Blumen
und Entschuldigungen nötig sein, bis sie wieder mit mir spricht.

Warum ich nie wieder April-Scherze mache?

Raffael Scherer

Warum ich meine Mutter am Valentinstag beschenke?

Die Kolumne im Februar

Der Valentinstag ist einer der Tage, an dem ich alle Singles beneide. Denn genau wie zur Weihnachtszeit ist es ein Drahtseilakt, wie ernst man das „Wir schenken uns nichts!“ nimmt. Vorletztes Jahr kaufte ich trotzdem etwas. Daraufhin hieß es, das sei unfair, weil es ja anders ausgemacht war.

Das Jahr darauf schenkte ich nichts, aber meine Freundin hatte „nur eine Kleinigkeit“ für mich parat. Schon hieß es, sie sei mir nicht wichtig, weil ich ja nichts für sie hatte. Darum versuche ich es dieses Jahr ganz anders: Ich kaufe einfach in der früh bei Rewe Pralinen in Herzform, nur für den Fall, dass sie etwas dabei hat. Am besagten Abend stelle ich fest: Sie hat nichts. Ohne schlechtes Gewissen bleiben die Pralinen also im Schrank und wir schauen einen Film auf der Couch. „Ich hol noch schnell eine Flasche Wein“, sagt meine Freundin und geht zum Schrank. „Für wen sind denn diese Pralinen?“, fragt sie mich vorwurfsvoll.

„Hast du eine Affäre?“ Ich hasse Valentinstag! „Nein...“ stottere ich. „Die ...sind... für meine
Mutter.“ Warum ich meine Mutter am Valentinstag beschenke?

Raffael Scherer

Warum ich in Zukunft immer 50 Cent in der Tasche habe?

Die Kolumne im März

Kartenzahlungen werden ja immer beliebter, sodass man auch in Situationen, in welchen man kein Bargeld hat, ohne Probleme in den meisten Läden bezahlen kann. Sogar im Edeka im City Center konnte ich meinen Eistee ohne Probleme mit Karte erwerben.

Nachdem ich die Flasche geleert habe, bemerke ich, dass es Zeit wäre, eine Toilette aufzusuchen. „Kein Problem, das City Center hat ja eine“ denke ich mir. Zu meiner Verwunderung versperrt neuerdings ein Münzautomat die Tür. „Bitte 50 Cent einwerfen“ heißt es darauf. Mein Geldbeutel ist leer, im Gegensatz zu meiner Blase. Leute, die vorbeikommen, anzubetteln oder zur Bank zu rennen, um 50 Cent abzuheben, das könnte auch schwer werden.

Die Zähne zusammenbeißend hüpfe ich panisch vor der verschlossenen Tür hin und her. Da öffnet sich die Tür und mein Vorgänger hält mir Gottseidank freundlicherweise die Tür auf. Warum ich in Zukunft immer 50 Cent in der Tasche habe?

Raffael Scherer